Hörgeräteempfehlung

Hörgeräteempfehlung: Welches Hörgerät empfehlen Sie mir?

Klein aber stark - das neue HDO Gehäuse der Soniton Swiss Geräte
Klein aber stark – das neue HDO Gehäuse der Soniton Swiss Geräte

Hörgeräteempfehlung und die Frage nach dem passenden Hörgerät wird oft gestellt bevor der Akustiker selbst Informationen vom Kunden erhält. Grundsätzlich kann man ohne Hintergrundwissen kaum einzelne Hörgerätemarken, Modelle und Ausstattungen empfehlen ohne mehr Informationen zu erhalten.

Grundsätzlich kann jedoch gesagt werden, und das gilt bis auf ein paar wenige Ausnahmen:
Richtig: So gschlossen wie möglich; so offen wie nötig.
Oft ghört und falsch ist: So offen wie möglich; so geschlossen wie nötig.

Warum das denn, ich habe ganz andere Erfahrungen gemacht!

Je offener die Hörgeräteversorgung gemacht wird, je mehr tiefe Frequenzen können ungehindert in den Gehörgang eindringen und aus dem Gehörgang entweichen. Die positiven Erfahrungen beruhen in der Regel auf die unten aufgeführten Vorteile und Unwissenheit über die Nachteile. Eine Hörgeräteanpassung die offen durchgeführt wird ist wie ein neues Auto mit viel PS und Rädern aus Holz.

Hörgeräteempfehlung: Nicht offen.

Offene Hörgeräteversorgung: Luftöffnung in der Otoplastik mit ca. 4mm Durchmesser oder Offene/Geschlossene Domes (Doppeldome gehören nicht mehr zur „Offenen Anpassung“)

Eine Luftöffnung in der Otoplastik bedeutet noch nicht „offene Versorgung“, sondern gehört in der Regel in die Otoplastik zum gezielten Oklussions-, Druck- und Frequenzausgleich. Diese Zusatzbohrung kann zwischen 0,6 und ca. 4 mm groß sein und je nach Länge und Durchmesser werden die Resonanzfrequenzen variiert. Durch die gezielte Veränderung der Otoplastik sind viele Klangeigenschaften der gesamten Hörgeräteversorung änderbar. Erst wenn die Bohrung größtmöglich ist – spricht man von der „Offenen Versorgung“.

Vorteil der offenen Versorgung:offene-hoergeraeteversorung

  • Eigene Stimme fast unverändert
  • Hörlautstärke sehr angenehm
  • Kaum zu sehen
  • Unbeschwertes Tragen
  • Leichte Gewöhnung

Nachteil:

  • unwesentlich verbessertes Sprachverstehen
  • hohe Rückkopplungsneigung
  • kein Lautstärkengewinn
  • kaum Verstärkung unterhalb 1kHz
  • Zusatzfunktionen haben 70% Ihres möglichen Effektes verloren (Zusatzfunktionen wie Richtwirkung, Störschallreduzierung, Sprachanhebung, … wirken so gut wie nicht mehr)

Zusammengefasst: Die Vorteile kommen dem „Hörgeräteanfänger“ sehr entgegen, und da schnell eine gute Zufriedenheit erreicht wird kann der Akustiker schnell die Hörgeräteanpassung abschließen. Der Kunde ist zufrieden, der Akustiker hat schnell „un“verdientes Geld..

Darum empfehlen wir bei SIEG in 95% der Fällen: Eine Versorgung mit Maßotoplastik, Zusatzbohrung und expliziet keine offene Versorgung. Bauformen: Hinter dem Ohr, Ex-Hörer und In dem Ohr Hörgeräte.

Vorteil der Versorgung mit Zusatzbohrung:

  • Eigene Stimme wird gut akzeptabel
  • Unbeschwertes Tragen, gleichmäßiger Sitz
  • Guter Hörausgleich über das gesamte Hörspektrum
  • kaum Rückkopplungen
  • Effektive Nutzung der Hörgerätetechnik
  • Besserer Halt im Ohr, das verlieren wird unwahrscheinlicher
  • Das Gehirn bekommt mehr Informationen und wird Trainiert

Nachteil der Versorgung mit Zusatzbohrung:

  • Anfertigung der Otoplastik dauert ca. eine Woche
  • Das einsetzen ist etwas schwieriger
  • Gewöhnungszeit ca. ein bis zwei Wochen

Hörgeräteempfehlung: Bauform20131016-134549

Es gibt 4 Bauformen bei Hörgeräten

  1. Hinter dem Ohr Hörgeräte mit 2mm Schallschlauchdurchmesser
  2. Hinter dem Ohr Hörgeräte mit „Slimtube“ – dünner Schallschlauch
  3. Hinter dem Ohr Hörgeräte mit externem Hörer
  4. In dem Ohr Hörgeräte (Unterteilung in Vollconcha, Concha, Gehörgang, komplett im Gehörgang und tief im Gehörgang)

Die Wahl der Bauform ist in vielen Fällen fast nur noch Geschmackssache, bis auf die Versorgung mit dem SlimTube oder auch „SchlimmSchlauch!“. Die Slimtubeversorgung wird oft in Zusammenhang mit der offenen Versorgung durchgeführt. Das was die offene Versorgung im Tieftonbereich kaputt macht schafft der Slimtube im Hochtonbereich. Finger weg von dieser Unsitte, Menschen mit einem Mitteltonhörverlust liegen hier jedch genau richtig.

Hörgeräteempfehlung: Hersteller

Es empfiehlt sich Hörgeräte verschiedener Hersteller zur Probe zu tragen. Dabei sollte auch darauf geachtet werden das die Hersteller nicht den gleichen Chip nutzen, denn nur dann merkt man die Unterschiede.

  • Phonak, Unitronm, Hansaton Hörgeräte basieren auf dem Sonova Chip
  • Siemens, Signia, AudioService gehören zusammen
  • Oticon und Bernafon teilen sich einen Chip
  • ReSound, Beltone und Interton arbeiten zusammen
  • Starkey (in Deutschland alleine)
  • Coselgy nutzt die ältere Technik der Widex Hörgeräte

Auch wenn viele Funktionen der Hersteller sich ähneln gibt es in deren Umsetzung große Unterschiede. Nur durch ein ausgiebiges Beratungsgespräch und der Einbeziehung des Hörvermögens kann eine gute Beratung stattfinden.

Hörgeräteempfehlung: ZubehörWidex_PhoneDex_mit_Hörsystemen_72-300x217

Bei den Ausstattungsmöglichkeiten der Hörgeräte sollten die „Notwendigkeiten“ für den Einzelnen im Vordergrund stehen. Bei Demenzkranken macht eine Batteriefachsicherung und eine LED Anzeige am Hörgerät Sinn. Bei anderen ist die Ladestation für Hörgeräte entscheidend oder die direkte Made for iPhone Ausstattung. Viele Wege führen nach Rom, doch wenn die Wünsche vom Anfang an klar sind braucht man nicht auf Kompromisslösungen ausweichen.

Hörgeräteempfehlung: Kosten

A: Zuerst sollte ein zuzahlungsfreies Hörgerät getestet werden. Denn wenn man damit seine Wünsche abdecken kann, ist das die auf Dauer günstigste Lösung. Wer einen Mehrwert wünscht kann dann auch gleich feststellen ob der Mehrpreis für den Mehrwert gerechtfertigt ist.

B: Zuerst sollte man mit dem Hörgerät anfangen, das seinen Wünschen am besten Entspricht. Das nachträglich Ausprobieren von günstigeren Möglichkeiten bleibt ja offen.

Ob A oder B… beide Vorgehen haben Vor- und Nachteile die sich gegenseitig aufwiegen. Ich würde auf das „Bauchgefühl“ hören und dem Akustiker auch sagen das man Vergleich möchte.

Die Kosten für Hörgeräte werden in der Regel als Zuzahlung pro Stück genannt. Fragen Sie lieber genau nach. Wenn der Akustiker 2.000,-€ sagt kann er Meinen:

  • 2000,-€ Zuzahlung pro Ohr = 4000,-€ Zuzahlung für 2 Geräte
  • 2000,-€ Zuzahlung zusammen = 2000,-€ Zuzahlung für 2 Geräte
  • 2000,-€ vor Abzug der Krankenkassnleistung je Ohr = 2600,-€ Zuzahlung für 2 Geräte
  • 2000,-€ Gesamtpreis vor Abzug der Krankenkassenleistung = 600,-€ Zuzahlung für 2 Geräte

Fragen Sie bei Unsicherheiten bei den Preisangaben direkt nach. Oft ist es nicht Böse gemeint, sondern der Akustiker ist im Trott und definiert nicht genau was er für einen Preis genannt hat. Da die „Auslegung“ jedoch sehr Unterschiedliche Ergebnisse zur folge hat ist hier Klarheit ein wesentlicher Bestandpunkt der Beratung.

Hörgeräteempfehlung: Was muss der Akustiker wissen2014-03-21-BildervomIphone-054-e1442466371193

  • Hörsituationen die regelmäßig vorkommen (möglichst im Detail)
    Statt Musik hören z.B. Opernbesuch oder zu Hause Rockmusik
    Statt Gesellschaft z.B. Kirche, Theater, Kneipe, SkatClub,…
  • Bewegungseinschränkungen der Finger, Arme, Schultern, …
  • Diabetes, Hörsturz, Knalltrauma, Kopf- Ohr- oder Nackenoperationen
  • Herzschrittmacher, Durchblutungsstörungen, Blutdruck (wenn er schwankt)
  • Tinnitus
  • Hobbys / Freizeit / Arbeitstelle
  • Wünsche

Über Werner Eickmann

Seit 1993 arbeite ich in der Hörgeräteakustik. Als selbständiger Hörakustikmeister und Familienvater mit 4 Kindern nutze ich viel der wenigen freien Zeit für diese Homepage. Hunde, Katzen, Hühner, Schafe und Meerschweinchen, sowie Axolotl, Fische und Wellensittiche sorgen für ein angenehmes akustisches Umfeld zu Hause, das ab und an durch Mundharmonika, Klavier und Gitarre bereichert wird. Für Fragen und Anregungen stehe ich Ihnen unter Tel.: 05221 53768 von Mo. - Fr. zwischen 9:00 - 18:00 Uhr zur Verfügung. Ein Hörgerät ist immer nur so gut wie die Fähigkeit des Akustikers. Wie gut der Akustiker jedoch seine Fähigkeiten ausspielen kann, legt die Technik des Hörgerätes fest. Digitale Visitenkarte