Strahlen-, Funk- und Elektrosmog im Hörgerät?

Inhabergeführter Hörgeräteakustik-Meisterbetrieb in Herford

Strahlen-, Funk- und Elektrosmog im Hörgerät?

10. Februar 2026 Allgemein 0

Verursachen moderne Hörgeräte schädliche Strahlung?

Die Frage nach „Strahlung durch Hörgeräte“ taucht regelmäßig auf – verständlich, denn Hörgeräte sitzen direkt am Kopf und arbeiten heute mit Funktechnik.
Die kurze, ehrliche Antwort lautet:

Nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand gelten moderne Hörgeräte als gesundheitlich unbedenklich.

Warum das so ist, erklären wir hier einfach, nachvollziehbar und mit Vergleichen aus dem Alltag.


Was für „Strahlung“ nutzen Hörgeräte überhaupt?

Hörgeräte erzeugen keine ionisierende Strahlung (wie Röntgen- oder Gammastrahlung), sondern ausschließlich schwache elektromagnetische Felder, wie sie auch bei vielen Alltagsgeräten vorkommen.

Moderne Hörgeräte nutzen hauptsächlich drei Techniken:


1. Induktive Übertragung (NFMI, T-Spule)

  • Frequenzbereich: ca. 3–4 MHz

  • Reichweite: wenige Zentimeter

  • Einsatz: Verbindung zwischen rechtem und linkem Hörgerät, Telefonspule

Dabei wird kein klassischer Funk ausgesendet, sondern ein sehr schwaches, lokal begrenztes Magnetfeld.

👉 Vergleich:
Das Magnetfeld ist deutlich schwächer als das vieler Haushaltsgeräte – selbst schwächer als bei einem eingeschalteten Geschirrspüler oder einem Netzteil.

Für Menschen mit Herzschrittmachern gelten heute keine besonderen Einschränkungen mehr – moderne Implantate sind sehr gut abgeschirmt. Im Zweifel hilft ein Blick in die Herstellerangaben.


2. Bluetooth Low Energy (BLE) – der heutige Standard

Aktuelle Hörgeräte (z. B. von Phonak, Oticon, Signia, Widex, ReSound) nutzen Bluetooth Low Energy für:

  • Smartphone-Streaming

  • Telefonieren

  • Fernbedienung per App

  • Zubehör (TV-Adapter, Mikrofone)

Technische Eckdaten:

  • Frequenz: 2,4 GHz

  • Typische Sendeleistung: unter 1–10 Milliwatt

  • Nur aktiv, wenn tatsächlich Daten übertragen werden

👉 Wichtig:
Bluetooth Low Energy sendet nicht dauerhaft und nur so stark wie unbedingt nötig.


3. Wie stark ist diese Strahlung wirklich? – Anschauliche Vergleiche

Hörgerät vs. Smartphone

  • Smartphone am Ohr: bis zu 2000 mW

  • Hörgerät (Bluetooth): meist unter 5 mW

➡️ Das Smartphone kann hundert- bis tausendfach stärker senden.


Hörgerät vs. WLAN-Router

  • WLAN-Router: 100–1000 mW

  • Hörgerät: Bruchteile davon

➡️ Wer sich Sorgen um Hörgeräte macht, steht oft direkt neben einem deutlich stärkeren Sender.


Hörgerät vs. LED-Leuchtpanel (Beispiel aus dem Alltag)

Ein modernes LED-Deckenpanel erzeugt:

  • elektrische Wechselfelder

  • magnetische Felder durch Vorschaltgeräte

  • dauerhaft, solange es eingeschaltet ist

👉 Abstand macht den Unterschied:

  • In 30–50 cm Abstand zu einem LED-Panel ist die elektromagnetische Feldstärke oft höher als die Funkbelastung eines Hörgeräts direkt am Ohr.

  • Trotzdem gilt LED-Beleuchtung als völlig unbedenklich.

➡️ Hörgeräte liegen klar im unkritischen Bereich.


Was sagt die Wissenschaft?

Internationale Organisationen wie:

  • WHO

  • ICNIRP

  • Bundesamt für Strahlenschutz (BfS)

  • Bundesamt für Gesundheit (CH)

kommen übereinstimmend zu folgendem Ergebnis:

Unterhalb der geltenden Grenzwerte sind keine gesundheitlichen Schäden durch nicht-ionisierende Strahlung nachgewiesen.

Moderne Hörgeräte liegen um ein Vielfaches unter diesen Grenzwerten.


Gibt es Langzeitrisiken?

Auch hierzu gilt:

  • Hörgerätefunk wird seit vielen Jahren eingesetzt

  • Es gibt keine belastbaren Hinweise auf Langzeitschäden

  • Die verwendeten Leistungen sind extrem niedrig

Der Nutzen moderner Hörgeräte ist dagegen gut belegt:

  • besseres Sprachverstehen

  • besseres Richtungshören

  • weniger Höranstrengung

  • geringeres Risiko sozialer Isolation


Unser Fazit

  • Moderne Hörgeräte senden sehr schwache, ungefährliche elektromagnetische Signale

  • Die Belastung ist geringer als bei vielen Alltagsgeräten

  • Aus heutiger wissenschaftlicher Sicht besteht kein Grund zur Sorge

  • Der Hörgewinn überwiegt mögliche Risiken deutlich

Oder anders gesagt:

Wer sich wegen der Funktechnik gegen ein Hörgerät entscheidet, verzichtet aus Angst vor etwas, das schwächer ist als das Licht über dem Esstisch.

Aber: Bedenken darf man trotzdem haben

Auch wenn die wissenschaftliche Lage eindeutig ist, gilt:
Sorgen und Unsicherheiten sind immer ernst zu nehmen.

Nicht jeder Mensch fühlt sich mit Funktechnik wohl – unabhängig davon, wie gering die Belastung objektiv ist. Manche möchten bewusst auf bestimmte Technologien verzichten oder sich langsam herantasten. Das ist vollkommen in Ordnung.

Deshalb gilt bei uns:
Wir suchen gemeinsam nach einer Lösung, die technisch sinnvoll ist und sich gut anfühlt.

Mögliche Alternativen können sein:

  • Hörgeräte ohne Bluetooth-Streaming

  • Geräte mit ausschließlich induktiver Kopplung

  • Individuelle Einstellungen, bei denen Funkverbindungen nur bei Bedarf aktiv sind

  • Bewusste Auswahl von Zubehör statt permanenter Funknutzung

  • Ausführliche Beratung und Probetragen, um Sicherheit zu gewinnen

Nicht alles, was technisch möglich ist, ist für jeden Menschen notwendig.
Und nicht jede Sorge lässt sich mit Zahlen allein ausräumen – manchmal braucht es einfach Vertrauen, Zeit und eine gute Beratung.